Gemeinde Krummwisch

im Amt Achterwehr

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Aktuelles

Kapelle Groß Nordsee
Kapelle

Als politische Gemeinde wird Krummwisch erstmals 1929 erwähnt. Bis dahin gab es hier den Gutsamtsbezirk Groß Nordsee, der von den Gütern Groß Nordsee und Klein Königsförde gebildet wurde. Groß Nordsee wird urkundlich im 13. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt. Die Besitzer haben dort laufend gewechselt. Seine große Blüte erlebte das Gut unter Wilhelm Hirschfeld. Er war ein studierter Landwirt aus Hamburg und schon zu Lebzeiten eine Persönlichkeit. 1819 erwarb er den Hof und hat ihn zu einem Mustergut gemacht. Er hat die Fruchtwechselwirtschaft eingeführt. Seinen Einfluss in Regierungskreisen hat er genutzt, um für die Landwirte u.a. einen landwirtschaftlichen Verein zu gründen, der deren Interessen vertreten sollte. Zu den Verschönerungen auf dem Gut, an denen auch die nähere Umgebung Gefallen fand, soll eine Obstbaumallee von Groß Nordsee nach Krummwisch gehört haben. Etwas abseits des Gutes baute er eine Ziegelei, die schon zu damaliger Zeit 8 bis 10 Millionen Ziegel pro Jahr herstellte. Die erste Drainageröhrenpresse Deutschlands hat er entwickelt und in Gang gesetzt. Es gab dort eine Spritfabrik und eine eigene Meierei.

In den ersten Jahren seines Wirkens entstand der Meierhof Möglin, ebenfalls die Außenhöfe Stoffsee und Moorkamp. Gegenüber des Guts baute er sich eine Grabstätte, die er Elysium nannte. Heute weist nur noch eine verfallene Ruine auf ihre einstige Existenz hin. Ihm unterlag auch das Schulwesen in Krummwisch. 1811 baute er die heutige alte Schule, weil die vorige abgebrannt war. Streng achtete er auf den regelmäßigen Schulbesuch. In Krummwisch ließ er für in Not geratene Arbeiterfamilien außerdem das Vierwohnungshaus bauen. Ein sogenanntes Witwenhaus mit vier kleinen Wohnungen entstand in einem ehemaligen Schweinestall in Groß Nordsee. Die Landgemeinde Krummwisch hatte damals 17 Wohnungen mit 85 Einwohnern. Die Hufner und Halbhufner hatten Spanndienste auf dem Gut abzuleisten. Aber Wilhelm Hirschfeld hat auch hier für bessere Bedingungen gesorgt: Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts konnten sich die Bauern, die alle etwa 25 ha Land besaßen, freikaufen. Ausschließlich im Ortsteil Krummwisch gab es also alteingessene Bauernfamilien. Die Arbeiterfamilien wechselten oft.
 

Kapelle Groß Nordsee
Die Schleuse in Klein Königsförde

Auch das unmittelbar am Nord-Ostsee-Kanal gelegene Gut Klein Königsförde hat eine lange Geschichte und auch hier haben die Besitzer häufig gewechselt. Um 1500 war es mit seinen 370 ha Land noch ein Meierhof von Groß Nordsee, der erst 1806 in den Kreis der adligen Güter aufgenommen wurde (übrigens auch Georgenthal, das durch den Bau des alten Eiderkanals 1798 als Meierhof vom Stammgut Osterrade abgetrennt worden war). 1872 wurde Klein Königsförde vom Hamburger Kaufmann Jacobi erworben, der es vorübergehend verpachtete und schließlich 1909 seinem Sohn Paul Jacobi übergab.

Nachdem ein Großfeuer zwischenzeitlich alle Wirtschaftsgebäude und auch das Herrenhaus vernichtet hatte, wurden alle Bauten, die zuvor reetgedeckt waren nun in Massivbauweise mit Hartbedachung wieder neu aufgezogen. Das Herrenhaus erhielt zudem zwei Stockwerke über seinen Kellermauern, so wie wir es heute kennen.
Der Gutsbetrieb hatte am Nord-Ostsee-Kanal zu damaliger Zeit eine eigene Dampfschiffanlegestelle mit Lösch- und Ladeplatz. Nach dem Krieg konnten hier Ausflugsdampfer anlegen; denn im ehemaligen Gutshaus wurde eine Gastwirtschaft betrieben. Ende der 1920er Jahre entschied sich Paul Jacobi für den Verkauf seines Besitzes. Der Staat kaufte es auf und gab das Land an Siedler weiter. In den Jahren 1930/31 entstanden in Klein Königsförde und in Frauendamm Siedlerstellen. In Frauendamm hatte man dafür eine Parzelle vom Gut Groß Nordsee aufgeteilt. In Klein Königsförde entstand ein ganz neuer Dorfteil, im Volksmund "Blechdorf" genannt wegen der Bauweise der Häuser. Übrigens finden wir diese Haustypen auch in Frauendamm.

Neu-Königsförde ist durch den Bau des Nord-Ostsee-Kanals vom Dorf Groß Königsförde abgetrennt worden, das damals zum Kreis Eckernförde gehörte. Das Herrenhaus und die ehemaligen Nebengebäude liegen westlich des Alten Eiderkanals. Der Besitzer von Klein Königsförde erwarb das Anwesen, das sich ein Herr von Ahlefeld-Lindau gebaut hatte.
Ebenfalls durch den Nord-Ostsee-Kanal abgetrennt wurde das Flurstück Heisch, auf dem der Heischhof entstand. Paul Jacobi, der Besitzer vom Gut Klein Königsförde, hatte das Flurstück erworben und baute dort für seine Schwester und deren Mann Dr. Rathjen den Heischhof. Dr. Rathjen gehörte später auch das Herrenhaus in Neu-Königsförde.

Heischhof

1950 wurde das Gut Groß Nordsee von der Landgesellschaft gekauft. Diese gab das Land an Landwirte, die größtenteils industrieverdrängt umsiedeln und sich eine neue Existenz aufbauen mussten. So sind auch in Groß Nordsee neue Betriebe entstanden und neue Besitzverhältnisse geschaffen worden. Aber auch Arbeiter vom Gut Groß Nordsee bekamen die Möglichkeit, über die Landgesellschaft ein Grundstück zu erwerben und darauf ein Haus zu bauen. Auf diese Weise sind im jetzigen Dorf Groß Nordsee die meisten Häuser entstanden.

So waren in der Gemeinde Krummwisch die wirtschaftlichen und die sozialen Verhältnisse eng mit den Gütern verbunden. Das lässt sich über Jahrhunderte zurückverfolgen. Durch den ständigen Wechsel der Gutsherren und der Arbeiter blieb zwischen beiden eine tiefe Kluft. Auch die ortsansäßigen Bauern und Arbeiter entwickelten keine festen Gemeinsamkeiten, weil die Arbeiter selten heimatgebunden waren. Hierzu kam, dass durch das Siedeln neue Familien aus ganz Schleswig-Holstein und auch aus unterschiedlichen Verhältnissen ins Dorf kamen. Diese waren aufgefordert ihr "Dorfleben" aufzubauen bzw. sich zu integrieren. Was dann in der ersten Generation nicht zustande kam, klappte vielleicht in der nächsten oder übernächsten.

Namensgebung der Dörfer:
Es dürfte vielleicht einige interessieren, wie die Namen der Dörfer entstanden sind.
Krummwisch z.B. bekam seinen Namen, aufgrund der Tatsache, dass sich die Eider in vielen Buchten durch die Wiesen schlängelte. Das Dorf, das auf der Anhöhe im Eidertal entstand, wurde "dat Dörp an de krummen Wischen" genannt, woraus später Krummwisch entstehen sollte.
Beim Dorf Klein Königsförde ging früher eine Furt durch die Eider. König Waldemar von Dänemark soll 1227 nach der Niederlage bei Bornhöved hier die Eider passiert haben. Seitdem heißt diese Stelle Königsfurt, was später dann zu Königsförde wurde.